Radziwiłł

Radziwiłł
Radziwiłł
 
[ra'dʑiviu̯], eingedeutscht Rạdziwill, litauisch Rạdvila, polnisches Magnatengeschlecht ursprünglich litauischer Herkunft, das seit dem 15. Jahrhundert in Politik, Verwaltung und Armee einflussreich war. - Der Stammvater, Mikołaj Radziwiłł(* 1366, ✝ 1446), ließ sich 1386 mit Jagiełło taufen und wurde Woiwode von Wilna. 1515 wurde eine Linie, 1547 das ganze Geschlecht in den Reichsfürstenstand erhoben. Im 17. und 19. Jahrhundert verschwägerte es sich mehrfach mit den Hohenzollern. Die mit Bogusław Radziwiłł1669 im Mannesstamm ausgestorbene Linie auf Birże und Dubinski war die wichtigste Stütze des Protestantismus im Großfürstentum Litauen. Der in Posen ansässige Zweig spielte im 19. Jahrhundert in der preußischen Politik eine bedeutende Rolle. Die Linie auf Nieśwież und Ołyka, 1939 und 1945 enteignet, besteht weiter.
 
 
T. Nowakowski: Die Radziwills. Die Gesch. einer großen europ. Familie (a. d. Poln., 1966).
 
Bedeutende Vertreter:
 
 1) Antoni Henryk (Anton Heinrich) Fürst, preußischer Statthalter, * Wilna 13. 6. 1775, ✝ Berlin 7. 4. 1833; seit 1796 Ȋ mit Luise, der Schwester des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, 1815-31 Statthalter im Großherzogtum Posen; Förderer F. Chopins und selbst Komponist.
 
 2) Bogusław Fürst, preußischer Statthalter, * Danzig 3. 5. 1620, ✝ Königsberg (heute Kaliningrad) 31. 12. 1669; Protestantenführer, ging 1655 im polnisch-schwedischen Krieg auf die Seite des schwedischen Königs Karl X. Gustav über; seit 1657 Statthalter des Großen Kurfürsten in Preußen.
 
 3) Janusz Fürst, Woiwode von Wilna und Großhetman (seit 1654) von Litauen, * 1612, ✝ Tykocin (bei Białystok) 12. 12. 1655; Protestant, bekämpfte erfolgreich die Kosaken, ging 1655 mit seinem Vetter Bogusław auf die Seite des schwedischen Königs Karl X. Gustav über.
 
 4) Karol Stanisław Fürst, Woiwode von Wilna (1762-64 und seit 1768), * Nieśwież (bei Baranowitschi) 1734, ✝ ebenda 22. 11. 1790; war als entschiedener Gegner König Stanislaus' II. August Poniatowski Marschall der Konföderation von Radom (1767) und führend an der Konföderation von Bar (1768) beteiligt.
 
 5) Mikołaj (Nikolaus) Fürst, genannt »der Rote«, Großhetman von Litauen (seit 1553), Woiwode von Wilna und Großkanzler von Litauen (seit 1566), * 1512, ✝ Wilna 27. 4. 1584; Stammvater der protestantischen Linie auf Birże und Dubinski; trat für die Aufrechterhaltung der Sonderstellung Litauens ein.
 
 6) Mikołaj (Nikolaus) Krzysztof Fürst, genannt »der Schwarze«, Großmarschall (seit 1544) und Großkanzler (seit 1550) von Litauen, Woiwode von Wilna (seit 1551), * Nieśwież (bei Baranowitschi) 4. 1. 1515, ✝ Wilna 29. 5. 1565; Vertrauter König Sigismunds II. August; führte 1561 erfolgreich die Verhandlungen über den Anschluss Livlands an Polen-Litauen. Als Förderer des Protestantismus in Litauen ließ er 1563 in Brest-Litowsk die ins Polnische übersetzte Bibel, die »Biblia brzeska« (Brester Bibel), auch »Biblia Radziwiłłowska« (Radziwiłł-Bibel) genannt, drucken.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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